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Nachlese

8. Juni 2021 Von: Winfried Bader

Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags. Die Predigt mit den Lesungstexten finden Sie unten im Anhang als PDF. Da die Technik dieser Webseite sehr fehlerhaft ist, kann es sein, dass das PDF nicht angezeigt wird. In diesem Fall schicken wir es Ihnen auf Anfrage per Mail gerne zu.

Predigtgedanken von Simone Marchon am 6. Juni 2021 in St. Maria, Luzern

10. Sonntag im Jahreskreis, Jahr B

Genesis Kapitel 3 Verse 9-15
Evangelium nach Markus Kapitel 3 Verse 20-35

Nichts lässt sich einfacher definieren, als das Böse und das Gute – meinen wir oft. Aber schon rein begrifflich ist das Böse hochdifferenziert. Es kann meinen: das Schlechte, das Schlimme, das Schreckliche, das Unvollkommene, das Mangelhafte, das Defekte, das Defizitäre, das Unordentliche, das Dysfunktionale, das Widrige, das Kranke, das Fatale, das Ruchlose, die Sünde, die Schuld, das Verkehrte, das Irrige, das Lasterhafte, das Entfremdete, das Nichtige und das Negative oder sogar der Teufel.

Die Theologie und die Philosophie machen sich schon seit Jahrhunderten Gedanken zu diesem Thema.

Das Böse für mich und dich

Und was ist das Böse für uns, für Sie und mich in unserem Alltag? Darauf kann jede und jeder nur für sich selbst eine Antwort geben. Aber es gibt auch das allgemeine, das weltöffentlich Böse. Zum Beispiel: Bürgerkriege, Selbstmordattentate, das Verhungern von Millionen von Menschen (besonders vieler Kinder), unheilbare tödliche Krankheiten wie Krebs, Tsunamis, Drogenhandel, Menschenhandel,  zwei Weltkriege, Massenvernichtungen, ethnische Säuberungen etc. Auch die Corona-Pandemie kann sich als neuestes Beispiel in die Reihe stellen.

Woher und wohin mit dem Bösen

Woher kommt das Böse und wie ist ihm deshalb zu begegnen? Hier gibt es alltäglich diverse Erklärungsmuster: etwa Verschwörungstheorien wie der Mossad oder die CIA oder auch der Kapitalismus, der US-Amerikanische Imperialismus, der Kommunismus und Bolschewismus stecken dahinter. Dabei dürfen wir Bill Gates nicht als Übeltäter vergessen.

Das Problem des Bösen wird also gerne verschoben, aufgeschoben oder relativiert, Oder im schlechten Sinne moralisiert: Gott bestraft auf unterschiedliche Weise, diese und jenen. Es lässt sich daraufhin fragen: Warum leiden und sterben dann aber Kinder und Unschuldige?

Wir merken schnell, dass die meisten dieser landläufigen Antworten im Vorläufigen stecken bleiben und die Frage verschieben: woher das Böse kommt. Ohne weiter und grundsätzlicher nach den eigentlichen Ursachen dafür zu fragen, dass es überhaupt Böses auf der Welt gibt.

Die Schlange und der Satan

Die Bibelstellen von heute versuchen Antwort auf diese Frage zu geben. Genesis macht eine Annäherung an den Ursprung des Bösen:  Wenn wir noch im Paradies wären,  gäbe es das Böse nicht. Oder andersherum, wir könnten Gut und Böse immer noch nicht unterscheiden. Im Evangelium wird Jesus als Verrückt interpretiert, als vom Satan resp. Beelzebub besessen, weil er sich den Konventionen widersetzt.

Der Teufel spiegelt sich im Menschen

Das Wort Satan kommt aus dem hebräischen und bedeutet Widersacher Gottes, Feind oder Gegner. Diese Figur hat die Geschichte des christlichen Abendlandes stark geprägt. Der Teufel wurde zum Inbegriff des Bösen. Erst im 17. Jahrhundert wird der Teufel zur Metapher der menschlichen Bosheit.

Ich gehöre einer Generation an, die nicht mehr an den Teufel glaubt. Doch das Böse ist geblieben, es ist nicht weniger geworden, aber vielleicht menschlicher. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte der Psychologe Stanley Milgram dem Bösen auf die Spur kommen und untersuchte, wie stark Menschen sich Autoritäten unterordnen. Dieses Experiment hat in den 70er Jahren eine weitreichende Diskussion ausgelöst. Es hat aber auch gezeigt, dass das Potenzial andere Menschen zu Schaden in uns allen steckt. Auffälligkeiten im Gehirn allein machen noch keinen Straftäter. Eine sichere Bindung und ein warmes, förderndes Umfeld in der Kindheit können effektiv Gegensteuer geben bei allen Tätertypen.

Neuere Studien haben gezeigt, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, die Fähigkeit zum Mitgefühl und die Akzeptanz moralischer Grundsätze aggressive Impulse in Schranken halten können. Da war es doch bedeutend einfacher, das Böse dem Teufel oder der Schlange in die Schuhe zu schieben!

Das Böse in der Gegenwart

Der Zweite Weltkrieg und seine Gräuel sollten uns ein Beispiel dafür sein, dass das Böse auch in Systemen stecken kann, die mit Gewalt oder Angst funktionieren und die persönliche Handlungsmöglichkeiten total ausschliessen.

Oft habe ich in der Pandemie gehört, dass sich Menschen in ihren Freiheiten beschnitten gefühlt haben. Tatsächlich hat die Pandemie von uns Verzicht und Solidarität gefordert. Schnell vergessen wir dabei, dass unser Verzicht nicht einem autoritären Machtapparat zu Gute kommt, sondern unseren Mitmenschen dienen würde, zur Entlastung des Gesundheitspersonals oder den Postangestellten.

Eine Macht- oder Ideologiekritik ist also erwünscht und notwendig. Es ist gut, wenn wir selber denken und entscheiden. Wer die Politik und Autoritäten und deren Macht kritisiert, sollte aber auf der Hut sein, nicht selbst die absolute Position dieser Autoritäten einzunehmen.

Simone Marchon
Pfarreiseelsorgerin St. Maria

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