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«Bibel des Monats»: Walter Jens - Evangelien und Offenbarung

8. Juni 2021 Von: Winfried Bader

Die Evangelien als kleine Taschenbücher einfach zum genussvollen Lesen – das sind die Übersetzungen der Evangelien und der Offenbarung durch den deutschen Rhetoriker und Klassischen Philologen Walter Jens.

Drei Dinge machen diese Bibel des Monats besonders:

  • 1.     Einfach lesen mit Genuss:
    Ausgewählte biblische Bücher – die vier Evangelien des Neuen Testaments und das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes – werden jeweils als kleines Taschenbuch mit knapp 100 Seiten präsentiert. Durch den lockeren Zeilenfall (ähnlich wie bei der im Februar vorgestellten BasisBibel) sind es Büchlein, bei denen das Lesen Spass macht.
  • 2.     Die Eigenart eines Einzelnen:
    Diese Übersetzung ist von nur einem Übersetzer, Walter Jens, gemacht. Nicht der Kompromiss eines Übersetzungsteams, sondern das Sprachgefühl von Walter Jens, seine Rhetorik und Wortgewalt liegen spürbar in diesen Texten.
  • 3.     Kommunikation statt Detailversessenheit:
    Walter Jens ist kein Theologe, sondern Germanist und Rhetoriker. Ihm geht es nicht um die theologischen Details einzelner Aussagen, sondern um die Wirkung der Texte im Ganzen. Die von Theologinnen gewünschte Verszählung fällt weg. So kann er sich auch einmal vom Wortlaut der griechischen Vorlage entfernen, um das kommunikative Handeln des Texts besser zur Geltung zu bringen.

Wer ist Walter Jens?

Walter Jens (* 8. März 1923 in Hamburg; † 9. Juni 2013 in Tübingen) studierte in Freiburg im Breisgau klassische Philologe und Germanistik. Von 1963 bis 1988 hatte er den eigens für ihn geschaffenen ersten deutschen Lehrstuhl für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen inne. Walter Jens wohnte in Tübingen nur einen Steinwurf vom kürzlich verstorbenen Schweizer Theologen Hans Küng entfernt. Mit ihm verband ihn eine langjährige Freundschaft. Als evangelischer Christ engagierte er sich in den 1980er Jahren in der Friedensbewegung, war bei der Prominentendemo gegen die Stationierung von Pershing-Raketen in Mutlangen dabei und versteckte während des Zweiten Golfkrieges zusammen mit seiner Frau, der Literaturwissenschaftlerin Inge Puttfarcken, desertierte US-Soldaten in seinem Tübinger Haus.

Mit den hier vorliegenden Übersetzungen, in denen die engagierte Sprachgewalt des Rhetorikers zu spüren ist, war er auf der Suche nach der Wahrheit für aktuelle Fragen.

 

Welchen Charakter haben die Übersetzungen?

Am besten liest man die Übersetzungen selbst, um sich einen Eindruck zu machen.

Walter Jens versteht es – da ist er ganz Rhetoriker – die Sprechsituation und vor allem die Schreibsituation der Evangelisten aufrecht zu erhalten. So wird Theophilus aus Lukas 1,3 bei Walter Jens zu einem echten Gesprächspartner, den er immer wieder anredet. Dadurch fühlen sich auch die heutigen Leserinnen als Angeredete des Evangelisten Lukas.

Ähnlich im Markus-Evangelium. Wenn da in Kapitel 1 neue Abschnitte beginnen, weil mit einer Zeitangabe («sogleich», «nachdem», «als» …) die Szene wechselt, fügt Walter Jens ein: «Und ich erzähle.» Das schafft Distanz – man merkt, es geht nicht um den Bericht einer historischen Situation, sondern um eine Erzählung – und gleichzeitig Nähe – man hängt dem Erzählenden an den Lippen und wird in die Dramatik mit hineingerissen.

Wie liest man die Bibelübersetzung von Walter Jens?

Diese Taschenbücher der Evangelien-Übersetzungen und der Offenbarung des Johannes von Walter Jens nutzt man nicht zum Nachschlagen. Man liest sie am Abend im Lesesessel bei einem Glas Wein, in den Ferien auf einer Bank vor dem Ferienhaus oder am Strand, in jedem Fall liest man sie ergriffen durch den Text an einem Stück wie einen Roman. 

Winfried Bader

 

Die im Studiolo der Peterskapelle im Juni gezeigte Bibelausgabe ist Teil der Bibelsammlung von Winfried Bader im Pfarrhaus der Franziskanerkirche, Franziskanerplatz 1.
Eine Besichtigung der Bibelsammlung für einzelne oder kleine Gruppen auf Anfrage.
Für Gruppen von vier bis acht Personen wird auf Anfrage auch ein Event «Whisky&Bible» angeboten.

Auskünfte zu Besichtigung und Event per Email: winfried.bader@kathluzern.ch

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